Es gibt neue, wissenschaftlich belastbare Erkenntnisse zu den Librela-Nebenwirkungen 2026: Ende August 2026 wurde im Journal of the American Veterinary Medical Association (JAVMA) eine große Auswertung von Steven C. Budsberg und Kollegen veröffentlicht, die erstmals ein eigenes Nebenwirkungs-Muster unter dem Namen APBR – Abnormal Periarticular Bone Remodeling – beschreibt. Konkret: 186 dokumentierte Fälle bei rund 34 Millionen ausgelieferten Dosen, mit klaren Risikoprofilen. Besonders betroffen sind Ellenbogen und Sprunggelenk, überproportional häufig Labrador Retriever – und in vielen Fällen war eine gleichzeitige NSAID-Gabe im Spiel. Was das für deinen Hund konkret bedeutet, wenn er Librela bekommt oder erhalten soll, ordne ich dir in diesem Artikel aus meiner Praxis für Tierphysiotherapie und Osteopathie ein.

Dieser Artikel knüpft direkt an meinen Behörden-Artikel vom Juli 2026 und mein Farrell-Update an. Wenn du neu hier bist, empfehle ich dir zuerst meinen ausführlichen Grundlagen-Artikel zu Librela  sowie den Beitrag zu Erfahrungen und Alternativen.

Wie immer: Ich habe keinerlei Verbindung zum Hersteller Zoetis. Ich bin Tierphysiotherapeutin, keine Tierärztin – dieser Artikel ersetzt kein Gespräch mit deinem Tierarzt, sondern soll dir helfen, gut vorbereitet in dieses Gespräch zu gehen.

Arthrosenentwicklung

Entwicklung einer Arthrose schematisch

Das Wichtigste in Kürze

  • APBR (Abnormal Periarticular Bone Remodeling) ist ein neu benannter Begriff für ein eigenes Muster von Knochenveränderungen unter Librela – ausdrücklich abgegrenzt von der bisher aus der Humanmedizin bekannten RPOA.
  • 186 dokumentierte Fälle aus 5 Jahren Beobachtung (November 2020 bis Dezember 2025) bei geschätzt 34 Millionen ausgelieferten Dosen. Das bleibt selten – aber es ist ein konsistentes Muster.
  • Am häufigsten betroffen: Ellenbogen (37 %) und Sprunggelenk (28 %). Am häufigsten betroffene Rasse: Labrador Retriever mit 37 % aller Fälle.
  • Kombination mit NSAIDs war in 63 % der Fälle gegeben – das könnte ein zusätzlicher Risikofaktor sein.
  • Off-Label-Anwendung in 25 % der APBR-Fälle. Ein Viertel der Betroffenen bekam Librela also nicht exakt nach Zulassung.
  • Zeitfenster stark variabel: Zwischen 1 und 64 Monaten nach Behandlungsbeginn. Es gibt kein „sicheres Zeitfenster“.
  • Neue Empfehlung: Nicht nur eine Röntgenaufnahme vor der Behandlung, sondern regelmäßige radiologische Verlaufskontrollen unter laufender Librela-Therapie machen jetzt Sinn.

Worum es diesmal geht – und warum diese Studie wichtig ist

Damit du die Einordnung leichter hast: Das ist keine Behörden-Neubewertung wie im Juli 2026 und keine unabhängige Studienauswertung wie bei Farrell 2025. Das ist eine vom Hersteller Zoetis selbst initiierte und finanzierte Auswertung der eigenen Pharmakovigilanz-Datenbank – aber durchgeführt von einem externen Expertenteam unter Leitung von Steven Budsberg, das explizit darauf ausgerichtet war, ungewöhnliche Muster zu identifizieren.

Was das für dich als Halterin oder Halter bedeutet: Diese Erkenntnisse werden vom Hersteller selbst mitgetragen und öffentlich kommuniziert. Zoetis hat parallel zur Veröffentlichung ein Statement über den globalen Chief Medical Officer herausgegeben. Das heißt: Was hier steht, ist keine Kontroverse mehr, sondern etabliert.

Was ist APBR – und warum ist das ein neuer Begriff?

APBR steht für Abnormal Periarticular Bone Remodeling – auf Deutsch: abnormaler Umbau von Knochen rund um ein Gelenk herum. Und der Punkt ist: Die Autoren grenzen das ausdrücklich von allen bisher bekannten Krankheitsbildern ab. Es ist nicht dasselbe wie:

  • normale Arthrose-Progression
  • immunvermittelte Polyarthritis
  • infektiöse Arthritis
  • Hypertrophe Osteopathie
  • metabolische Knochenerkrankungen
  • die aus der Humanmedizin bekannte Rapidly Progressive Osteoarthritis (RPOA)

Bisher wurde in der Debatte oft der Begriff RPOA verwendet – ich habe ihn in meinen früheren Artikeln auch benutzt. Budsberg und sein Team sagen jetzt: Was wir bei Hunden unter Librela sehen, ist etwas Eigenes. Und dieses Eigene bekommt einen eigenen Namen.

Radiologisch sieht APBR so aus: ausgedehnte, unregelmäßige neue Knochenbildung an der Knochenhaut und im umliegenden Weichgewebe, die weit über die normalen Gelenkgrenzen hinausgeht. Der Knochen wächst in einer verzweigten, „palisadenartigen“ bis stachligen Form. Auffällig dabei: Die eigentliche Gelenkfläche selbst kann relativ unverändert bleiben, während die Umgebung dramatisch verändert ist. Gleichzeitig können lokale Knochen-Abbauzonen (Osteolyse), Erosionen und Verdichtungen (Sklerose) auftreten – manchmal ineinander verwoben.

Warum das für dich wichtig ist: Wenn dein Hund unter Librela Symptome entwickelt, die in dieses Muster passen, sollte dein Tierarzt es als APBR benennen können – nicht als „schnell fortschreitende Arthrose“ oder „ungewöhnlichen Verlauf“. Der klare Begriff hilft dabei, die richtige Konsequenz zu ziehen.

Hund Arthrose Hilfe

Librela bleibt weiterhin in der Diskussion – mit immer neuen Erkenntnissen. Bild: KI

Die Zahlen der Budsberg-Studie im Detail

Aus 36.661 gemeldeten Nebenwirkungen bei Hunden wurden 525 als potenzielle muskuloskelettale Fälle identifiziert. Davon konnten 319 Fälle beurteilt werden (der Rest hatte keine ausreichenden Röntgenbilder). Von diesen 319 Fällen wurden schließlich 186 als APBR eingestuft – also als atypisch, nicht einfach als normale OA-Progression.

Wichtige demografische Eckdaten:

  • Durchschnittsalter: 8,8 Jahre (Spanne: 3 bis 17 Jahre)
  • Durchschnittsgewicht: 28,0 kg (Spanne: 2,4 bis 69,4 kg)
  • Rasse-Häufung: Labrador Retriever – 69 von 186 Fällen (37 %)
  • 78 % hatten keine bekannten früheren orthopädischen OPs oder Traumata – der Zustand entstand also unter der Behandlung
  • Mittlere Behandlungsdauer vor Auftreten: 17,7 Monate
  • Mittlere Anzahl verabreichter Dosen: 17,3
  • 62 % hatten 10 oder mehr Dosen erhalten, als die Nebenwirkung gemeldet wurde
  • Bandbreite der Behandlungsdauer: 1 bis 64 Monate – es gibt kein festes „gefährliches Fenster“

Betroffene Gelenke:

  • Ellenbogen: 37 % der Fälle (69 Hunde)
  • Sprunggelenk: 28 % der Fälle (53 Hunde)
  • Knie mit Instabilität/Luxation: 38 % der betroffenen Kniegelenke (8 von 21)
  • Sprunggelenk mit Instabilität: 23 % der betroffenen Sprunggelenke (12 von 53)

Atypische Frakturen traten an konkreten Stellen auf: Ulna (11), Talus (6), Humerus-Condylus (9), Fibula (6), Tibia (1). Und – für dich als Halter wichtig: In manchen Fällen zeigten die betroffenen Hunde gar keine klinischen Symptome. Die APBR fiel erst beim tiefergehenden Untersuchen oder beim Röntgen auf.

Ellenbogen und Sprunggelenk sind die am häufigsten betroffenen Gelenke bei APBR.

Was ist an dieser Studie wirklich neu?

Wenn du meine bisherigen Artikel gelesen hast, könntest du denken: „Das kenne ich doch schon.“ Deshalb: Was ist wirklich neu?

Neu ist die konzeptionelle Klarheit. Farrell 2025 hat 19 Einzelfälle beschrieben und von RPOA gesprochen. Budsberg 2026 sagt: Nein, es ist ein eigenes Syndrom, wir nennen es APBR, und hier sind 186 Fälle mit klarem Muster.

Neu ist die Rassenverteilung. Dass Labrador Retriever 37 % der Fälle stellen, ist eine sehr konkrete Information – gerade weil Labradore eine der am häufigsten mit Arthrose diagnostizierten Rassen sind und oft Librela bekommen. Ich lese das nicht als „alle Labradore sind gefährdet“, sondern als: Wenn du einen Labrador hast, ist bei Librela besondere Aufmerksamkeit angezeigt.

Neu ist die NSAID-Kombination als Risiko-Signal. 63 % der APBR-Fälle hatten parallel NSAIDs bekommen. Die Autoren verweisen auf ein Mausmodell aus der Grundlagenforschung, in dem NSAIDs + Anti-NGF-Antikörper gemeinsam die Fähigkeit des Knochens geschwächt haben, sich an mechanische Belastung anzupassen. Das könnte erklären, warum diese Kombination Frakturen begünstigt. In der Humanmedizin ist ein sehr ähnliches Muster bereits dokumentiert. Das ist ein Punkt, den du mit deinem Tierarzt gezielt besprechen solltest: Muss mein Hund wirklich zusätzlich ein NSAID nehmen, wenn er schon Librela bekommt?

Neu ist die Auffälligkeit „stille APBR“. Manche Hunde zeigten keinerlei klinische Symptome – die Diagnose fiel nur bei körperlicher Untersuchung (Gelenkschwellung, eingeschränkte Beweglichkeit) und im Röntgen auf. Für dich bedeutet das: Ein subjektiv „unauffälliger“ Verlauf unter Librela ist keine Garantie dafür, dass körperlich alles in Ordnung ist.

Neu ist das Zeitfenster von 1 bis 64 Monaten. Es gibt keine „kritische Anfangsphase, danach ist alles gut“. APBR kann auch nach mehreren Jahren Behandlung erstmals auftreten. Das ist ein Argument für langfristige Aufmerksamkeit, nicht nur am Anfang.

Neu ist auch der Off-Label-Aspekt. 25 % der Fälle waren Anwendungen, die nicht exakt dem zugelassenen Schema entsprachen – falsche Indikation, unpassendes Dosierungsintervall, Dosis-Überschreitung. Ein Viertel! Das ist ein Warnsignal, das eher an Tierärzte adressiert ist – für dich als Halter aber ein wertvoller Punkt: Frag nach, ob dein Hund Librela genau nach Zulassung bekommt.

Neu ist ein möglicher Erklärungs-Mechanismus. Die Autoren stellen die Hypothese auf, dass die Antikörper-Blockade von NGF nur zeitlich begrenzt wirkt. Danach reagiert der Körper mit einer kompensatorischen Hochregulation von NGF oder seinem Rezeptor – ein sogenannter Rebound-Effekt, wie er auch bei anderen Antikörpertherapien beobachtet wird. Diese überschießende NGF-Aktivität könnte dann selbst wieder Knochen-Umbauprozesse antreiben und paradoxerweise zu APBR führen. Vereinfacht gesagt: Der Körper wehrt sich gegen die Blockade – und schießt manchmal über. Diese Hypothese ist wichtig, weil sie ein plausibles biologisches Modell dafür liefert, dass ausgerechnet dieser Wirkstoff ein so eigenständiges Nebenwirkungsmuster erzeugt.

Vereinfacht: Der Antikörper blockiert NGF zeitweise – der Körper reagiert mit Kompensation, die möglicherweise selbst wieder Umbau treibt.

Nebenwirkungen Arthrose Spritze

Ist die Rasse Labrador nun besonders von dieser Nebenwirkung bei Librela betroffen?

Der praktische Kern für dich

Wenn dein Hund Librela bekommt oder bekommen soll, hebe ich aus dieser Studie fünf konkrete Handlungspunkte für dich hervor:

1. Kläre die Basis-Bildgebung – und plane Verlaufskontrollen ein

Ein einmaliges Röntgen vor Behandlungsbeginn (wie ich es in meinem Behörden-Artikel empfohlen habe) ist gut, reicht aber nach Budsberg nicht. Weil APBR schleichend und teilweise stumm auftreten kann, wird eine regelmäßige radiologische Kontrolle in vernünftigen Abständen sinnvoll – gerade bei Hunden, die über viele Monate oder Jahre behandelt werden. Sprich das aktiv mit deinem Tierarzt ab.

2. Kläre die NSAID-Kombination

Wenn dein Hund parallel zu Librela auch ein NSAID bekommt (z.B. Meloxicam, Carprofen, Robenacoxib), ist das ein Gespräch wert. Nicht jede Kombination ist gefährlich – aber sie sollte begründet sein. Frag deinen Tierarzt konkret: „Ist die Kombination bei uns wirklich nötig? Oder können wir eines der beiden reduzieren?“

3. Frag nach der Zulassungskonformität

25 % der APBR-Fälle waren Off-Label-Anwendungen. Frag deinen Tierarzt: „Wird Librela bei uns exakt nach zugelassenem Schema eingesetzt?“ Das ist kein Misstrauensvotum, sondern ein legitimes Halter-Interesse.

4. Achte auf die neuen und alten Warnzeichen

Aus der Studie ergänzt sich das Bild, das ich in meinem Behörden-Artikel  beschrieben habe:

  • Neue oder zunehmende Gelenkschwellung (auch ohne Schmerz!)
  • Eingeschränkte Beweglichkeit eines Gelenks – besonders Ellenbogen oder Sprunggelenk
  • Neue Lahmheit oder Instabilität (Weggeben eines Beins, „einknickt“)
  • Plötzliche Frakturen ohne größeren Anlass

Wenn eines dieser Zeichen auftritt: schnell zum Tierarzt und ausdrücklich um Röntgen der betroffenen Region bitten.

5. Prüfe besonders bei Labrador Retrievern und älteren Hunden

Wenn du einen Labrador hast und Librela in Erwägung ziehst, gehört das Rassen-Signal aus dieser Studie ins Gespräch mit dem Tierarzt. Nicht als K.O.-Kriterium, aber als Argument für erhöhte Aufmerksamkeit und engmaschigere Verlaufskontrollen.

37 % der APBR-Fälle waren Labrador Retriever.

Meine Einordnung als Therapeutin

Ich sag es klar: Ich bin nach dieser Studie weder alarmierter noch beruhigter als nach dem Behörden-Update im Juli. Aber ich bin präziser. Und das ist der eigentliche Gewinn.

Was die Studie leistet: Sie gibt dem Phänomen einen Namen (APBR), zeigt konkrete Risikoprofile (Labrador, Ellenbogen, Sprunggelenk, NSAID-Kombination, Off-Label), macht die zeitliche Bandbreite deutlich (1 bis 64 Monate) und bietet mit dem Rebound-Modell eine plausible biologische Erklärung. Und sie tut das mit einer Fallzahl (186) und einer Datenbasis (Zoetis-eigene Pharmakovigilanz), die schwer wegzudiskutieren ist.

Was die Studie nicht leistet: Sie sagt nicht, warum manche Hunde APBR bekommen und andere nicht. Sie beweist keine Kausalität im engen wissenschaftlichen Sinn. Und sie hat methodische Grenzen (retrospektiv, freiwillige Meldungen, keine Zahl der insgesamt behandelten Hunde, sondern nur der ausgelieferten Dosen).

Was das für meine praktische Haltung bedeutet: Ich sehe Librela weiterhin als eine Option, die bei manchen Hunden viel Lebensqualität bringt. Ich sehe sie aber noch klarer als eine Option, die strukturierte Begleitung braucht – vor, während und nach der Behandlung. Das schließt konsequente Bildgebung ein, das Gespräch über Kombinationstherapien und die realistische Frage: „Ist ein Hund mit APBR-Risikoprofil (z.B. junger Labrador, langfristige NSAID-Therapie) hier wirklich der beste Kandidat?“

Und ganz ehrlich: Diese Studie bestätigt einmal mehr meine Grundüberzeugung, dass der ganzheitliche Ansatz wichtiger wird, nicht unwichtiger. Physiotherapie, Osteopathie, gezielte Bewegung, Gewichtsmanagement, angepasste Nahrungsergänzung – all das hat keine vergleichbaren Risiken und wirkt bei den Gelenken oft dort, wo eine reine Schmerzunterdrückung nicht hinkommt. Genau deshalb habe ich meinen Online-Kurs „Diagnose Arthrose – das kannst du tun“  entwickelt: damit du auch zu Hause strukturiert und wirksam etwas für die Gelenke deines Hundes tun kannst – unabhängig davon, ob du Librela gibst oder nicht.

Nebenwirkungen Arthrosespritze Librela

Librela sollte nicht deine einzige Maßnahme für deinen Hund mit Arthrose bleiben. Es gibt noch mehr Möglichkeiten.

Meine Empfehlungen (Update Herbst 2026)

Bevor dein Hund Librela bekommt:

  • Lass die betroffenen Gelenke gründlich röntgen (Ausgangsbefund).
  • Kläre kritisch, ob dein Hund zum Risikoprofil gehört – Labrador, jüngerer Hund, kombinierte NSAID-Therapie.
  • Sprich mit deinem Tierarzt aktiv Alternativen und den ganzheitlichen Ansatz durch. Ein strukturiertes Zuhause-Programm mit gezielten Übungen, Massage und Akupressur (wie in meinem Arthrose-Kurs) kann viel bewirken – oft mehr, als Halter zunächst vermuten.
  • Frag, ob Librela bei deinem Hund exakt nach Zulassung eingesetzt wird.

Während der Behandlung:

  • Achte auf Gelenkschwellung (auch ohne Schmerz!), Bewegungseinschränkung, neue Lahmheit.
  • Wenn zusätzlich NSAIDs gegeben werden: regelmäßig hinterfragen, ob die Kombination weiter nötig ist.
  • Neu: Vereinbare radiologische Verlaufskontrollen in vernünftigen Abständen. Nicht nur einmal vor Behandlungsbeginn.
  • Wenn Librela nach 2 Spritzen keine spürbare Wirkung zeigt, hilft es meistens auch danach nicht – dann besprich ehrlich, ob eine Fortsetzung wirklich Sinn hat.

Bei jeder Auffälligkeit:

  • Nicht zuwarten. Zeitnah zum Tierarzt.
  • Um gezielte Bildgebung der betroffenen Region bitten.
  • Diagnose „APBR“ benennen können – gib deinem Tierarzt gegebenenfalls diesen Artikel und die Studie mit.

Mein persönliches Update

Amy bekommt weiterhin ihre Librela-Spritzen. Ihre Reaktion ist stabil, die Wirkung mal deutlicher, mal weniger. Wir bleiben monatlich in der Abwägung. Nach dieser Studie werde ich noch mehr Wert auf eine periodische Bildgebung legen – nicht aus Panik, sondern aus konsequenter Aufmerksamkeit.

Flynn bekommt weiterhin kein Librela. Die bereits bekannten Nebenwirkungsprofile passen bei ihm nicht.

Yuno bekommt kein Librela. Er ist mit 5 Jahren zu jung – gerade jetzt, wo die Studie zeigt, dass junge Labrador-Retriever überproportional betroffen sind (Yuno ist zwar kein Labrador, aber jung und mit HD und ED belastet). Wir kommen mit dem ganzheitlichen Ansatz nach wie vor gut hin.

Fazit 2026, Teil 2

Der Kern-Satz dieser Studie lautet nicht „Librela ist gefährlich“ und auch nicht „alles halb so wild“. Er lautet: Es gibt jetzt einen Namen für das, was passieren kann. Und wir wissen jetzt, wer besonders im Blick sein sollte.

Für dich als Halter heißt das: Du musst keine Angst haben, wenn dein Hund Librela bekommt und stabil ist. Aber du hast jetzt konkrete Kriterien, an denen du selbst mitdenken kannst – Rasse, Gelenklokalisation, Kombinationstherapien, Zeitdauer, radiologische Kontrolle. Nutze sie in deinem nächsten Tierarzt-Gespräch.

Und wie in allen meinen Librela-Artikeln: Der ganzheitliche Ansatz ist nach dieser Studie noch relevanter als vorher. Nicht weil Librela verteufelt gehört, sondern weil er zusätzliche Sicherheit gibt und oft dort wirkt, wo Schmerzmedikamente allein an ihre Grenzen kommen. Wenn du strukturiert lernen möchtest, was du selbst zu Hause für die Arthrose deines Hundes tun kannst, ist mein Arthrose-Kurs genau dafür gemacht.

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Du möchtest deinem Hund mit Arthrose auch zu Hause gezielt helfen?

In meinem Online-Kurs „Diagnose Arthrose – das kannst du tun“  zeige ich dir ein bewährtes Zuhause-Programm für deinen Hund – als sinnvolle Ergänzung zu jeder tierärztlichen Behandlung.

Wenn du gezielter lernen willst, körperliche Beschwerden bei deinem Hund früh zu erkennen, ist auch mein Online-Kurs „Schmerzen beim Hund erkennen“ für dich interessant.

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Was genau ist APBR beim Hund?

APBR steht für Abnormal Periarticular Bone Remodeling, also einen abnormalen Umbau von Knochen rund um ein Gelenk. Es handelt sich um ein neu benanntes Nebenwirkungs-Muster unter dem Wirkstoff Bedinvetmab (Librela), das im Herbst 2026 erstmals in einer großen Studie im JAVMA beschrieben wurde. Radiologisch zeigt sich APBR als ausgedehnte, unregelmäßige neue Knochenbildung an der Knochenhaut und im umliegenden Weichgewebe, oft mit gleichzeitig auftretender Knochenauflösung. Wichtig: APBR ist ausdrücklich abgegrenzt von normaler Arthrose-Progression, RPOA aus der Humanmedizin, immunvermittelter Polyarthritis oder anderen bekannten Gelenkerkrankungen.

Bekommt jeder Hund unter Librela APBR?

Nein, klar nein. Die Studie beschreibt 186 dokumentierte Fälle bei geschätzt 34 Millionen ausgelieferten Dosen. APBR bleibt selten. Aber die Studie zeigt konkrete Risikoprofile, bei denen erhöhte Aufmerksamkeit angebracht ist: Labrador Retriever, Ellenbogen und Sprunggelenke, gleichzeitige NSAID-Gabe, längere Behandlungsdauer, Off-Label-Anwendung.

Warum sind Labrador Retriever besonders häufig betroffen?

Labradore stellen 37 % der APBR-Fälle in der Budsberg-Studie. Ob das ein rassespezifisches Risiko widerspiegelt (etwa durch bestimmte biologische Eigenheiten) oder schlicht die Tatsache, dass Labradore auch gehäuft mit Librela behandelt werden, ist derzeit wissenschaftlich nicht abschließend geklärt. Für dich als Halter heißt das: Wenn du einen Labrador hast und Librela in Betracht ziehst, ist besondere Aufmerksamkeit angezeigt – aber kein automatisches Nein.

Sollte mein Hund gleichzeitig Librela und ein NSAID bekommen?

In 63 % der APBR-Fälle wurde parallel ein NSAID gegeben. Die Autoren verweisen auf Grundlagenforschung, die zeigt, dass die Kombination die Anpassungsfähigkeit des Knochens an mechanische Belastung schwächen kann. Das ist kein Beweis, aber ein starkes Signal, die Kombination zu hinterfragen. Sprich deinen Tierarzt konkret an: Ist die parallele NSAID-Gabe bei meinem Hund wirklich nötig? Kann eines der beiden reduziert werden?

Wie schnell nach Behandlungsbeginn kann APBR auftreten?

Die Studie zeigt eine extrem weite Bandbreite: zwischen 1 und 64 Monaten nach Behandlungsbeginn. Es gibt kein festes „gefährliches Fenster“ und keine sichere Zone. Die durchschnittliche Zeitspanne bis zum Auftreten lag bei rund 18 Monaten und 17 verabreichten Dosen. Auch nach Jahren stabiler Behandlung kann APBR erstmals auftreten – deshalb ist langfristige Aufmerksamkeit wichtig.

Mein Hund zeigt keine Symptome unter Librela – ist er in Sicherheit?

Nicht zwingend. Die Studie zeigt: Manche Hunde mit APBR hatten keinerlei klinische Symptome. Die Diagnose fiel nur bei körperlicher Untersuchung (Gelenkschwellung, eingeschränkte Beweglichkeit) und im Röntgenbild auf. Das ist eines der wichtigsten neuen Erkenntnisse. Ein subjektiv unauffälliger Verlauf ist keine Garantie, dass körperlich alles in Ordnung ist. Deshalb macht regelmäßige radiologische Verlaufskontrolle bei längerfristiger Librela-Behandlung Sinn.

Sollte ich Librela absetzen, wenn mein Hund es aktuell bekommt?

Diese Entscheidung gehört zwischen dich und deinen Tierarzt – ich kann und darf sie dir nicht abnehmen. Wenn dein Hund unter Librela stabil ist, keine neuen Symptome zeigt und in einem angemessenen Behandlungs- und Kontrollsetting begleitet wird, gibt es aus meiner Sicht keinen Grund für ein automatisches Absetzen. Wenn dein Hund allerdings zum Risikoprofil gehört (Labrador, junger Hund, parallele NSAIDs, keine radiologische Kontrolle, Off-Label-Nutzung), lohnt sich das Gespräch mit deinem Tierarzt jetzt umso mehr.


Quellen:

Budsberg, S. C., Clements, D. N., Regan, D. P., & Wolf, J. (2026). Atypical radiographic changes seen in dogs treated with bedinvetmab (Librela). Journal of the American Veterinary Medical Association. 

Farrell, M. et al. (2025). Musculoskeletal adverse events in dogs receiving bedinvetmab (Librela). Frontiers in Veterinary Science. 

Goldstein, R. (2026). Q&A: What Zoetis‘ new JAVMA study reveals about Librela and a rare condition in dogs. dvm360. 

VMD – In-depth assessment of selected adverse events for Librela (Februar 2026)

EMA – Offizielle Produktseite für Librela (EU)

FDA – Dear Veterinarian Letter zu Librela (Dezember 2024)

Bisher in meiner Librela-Reihe erschienen:
Vor- und Nachteile der Arthrose-Spritze

Erfahrungen und Alternativen

Update zur Farrell-Studie

Librela 2026: Die Behörden ziehen nach