Ein 5 Wochen Programm an Training bzw. Übungen für Hunde mit Arthrose – was kann es, was nicht?
Im letzten Artikel ging es darum, dass spezialisierte Tierärzt:innen bei Arthrose beim Hund überdurchschnittlich oft auf Bewegungstherapie setzen – deutlich häufiger als reine Allgemeinmediziner. Aber was genau passiert eigentlich im Körper eines Hundes, wenn ein solches Übungsprogramm konsequent durchgezogen wird? Eine slowakische Studie hat genau das gemessen: Gelenkbeweglichkeit und Muskulatur, vor und nach fünf Wochen strukturiertem Training.

Fitnesstraining bzw. aktive Bewegungstherapie sollte definitiv Teil des Arthrose-Management deines Hundes sein. Aber: Richtig gemacht! Bild: VitaliTier
Das Wichtigste zum Thema Übungen für Hunde bei Arthrose in Kürze
- 21 Hunde mit Arthrose absolvierten 5 Wochen lang ein strukturiertes Übungsprogramm, 3x pro Woche (Frontiers in Veterinary Science, 2026).
- Gemessen wurden Gelenkbeweglichkeit (Goniometrie) und Muskelumfang vor und nach dem Programm.
- Größter Effekt: die Hüftstreckung verbesserte sich bei 64 % der untersuchten Gelenke.
- Die Oberschenkel- und Unterschenkelmuskulatur nahm am stärksten zu.
- Wichtige Einschränkung: keine Kontrollgruppe, kleine Stichprobe – die Ergebnisse zeigen einen Trend, keinen endgültigen Beweis.
Die Studie zu Training bei Arthrose beim Hund im Kurzüberblick
Ein Team der Universität für Veterinärmedizin und Pharmazie in Košice hat 21 Hunde mit diagnostizierter Arthrose (Hüfte, Ellbogen, Knie, Zehen- oder Sprunggelenk) über fünf Wochen begleitet. Jeder Hund absolvierte drei Trainingseinheiten pro Woche. Vor und nach dem Programm wurden die Beweglichkeit jedes Gelenks (per Goniometer, also winkelgenau gemessen) sowie der Muskelumfang an den Gliedmaßen erfasst.
Die Hunde waren im Schnitt gut sieben Jahre alt, zwei Drittel davon große Rassen wie Deutscher Schäferhund oder Labrador Retriever – also ziemlich genau die Klientel, die auch ich in meiner eigenen Physiotherapie-Praxis fast täglich sehe.

Ob Arthrose oder andere orthopädische Erkrankungen – Fitnesstraining sollte ein Bestandteil der Unterstützung für deinen Hund sein. Bild: VitaliTier
Ein strukturiertes Übungs-Programm, kein Zufallstraining bei Arthrose
Das eingesetzte Übungsprogramm war klar in drei Phasen gegliedert: ein Aufwärmteil mit aktiver Bewegung und aktiven Dehnen, ein Hauptteil mit gezielten Kräftigungs-, Balance- und Koordinationsübungen (unter anderem Cavaletti-Training), und ein Cool-down mit ruhigem Gehen und passivem Dehnen (GEHÖRT IN THERAPEUTEN-HAND!). Jede Übung wurde in drei Schwierigkeitsstufen aufgebaut – die nächste Stufe gab es erst, wenn der Hund die aktuelle sauber und ohne Schmerz- oder Ermüdungsanzeichen ausführen konnte.
Genau hier liegt der Punkt, den die Studie noch einmal unterstreicht: Ein wirksames Bewegungsprogramm bei Arthrose ist kein loses Sammelsurium an Übungen aus dem Internet, sondern bewusst gewählte Übungen. Genau das lässt sich nicht „mal eben nebenbei“ zusammenstellen, sondern braucht fundiertes Wissen darüber, welche Übung wann sinnvoll ist – und welche eher schadet.
Was hat sich durch das Training bei Arthrose, z.B. Hüftarthrose verändert?
Die Ergebnisse sind differenziert – und genau das macht sie glaubwürdig:
Am deutlichsten verbesserte sich die Hüftstreckung: Bei 64 % der untersuchten Hüftgelenke näherte sich der Bewegungsumfang nach dem Training dem Referenzwert an. Das passt gut zu früheren Erkenntnissen, wonach gerade die Hüftstreckung bei Arthrose-Hunden typischerweise eingeschränkt ist.
Streckbewegungen reagierten insgesamt besser auf das Training als Beugebewegungen – über nahezu alle Gelenke hinweg.
Die Muskulatur der Hinterhand legte stärker zu als die der Vorderhand: Der größte durchschnittliche Zuwachs im Umfang wurde am Oberschenkel gemessen, gefolgt vom Unterschenkel.
Das Körpergewicht blieb weitgehend stabil, sank im Schnitt nur leicht um 2,3 % – bei fünf Wochen ein plausibler, kleiner Effekt. Abnehmen bei Hunden funktioniert letztlich nur über eine Futterumstellung.
Auffällig war außerdem die große individuelle Streuung: Nicht jeder Hund reagierte gleich auf das Training. Manche zeigten deutliche Verbesserungen, andere kaum Veränderung. Ein Online-Kurs wie mein „Diagnose Arthrose – Das kannst du tun“ ist also ein guter Startpunkt, individuelles Training für deinen Arthrose-Hund bekommst du dann im Online-Einzelcoaching. Und so richtig was erreichen können wir, wenn du die 3-Monats-Betreuung wählst!
Die ehrliche Einschränkung: Was die Studie NICHT zeigt
Die Autor:innen sind hier bemerkenswert transparent: Es gab keine Kontrollgruppe. Das heißt, man kann aus dieser Studie allein nicht beweisen, dass die Verbesserungen wirklich am Trainingsprogramm lagen und nicht z. B. an parallel laufenden Schmerzmitteln oder normalen Tagesschwankungen. Auch die Stichprobe war mit 21 Hunden klein und in Rasse, Alter und betroffenem Gelenk sehr gemischt.
Die Forscher betonen deshalb ausdrücklich: Die Ergebnisse zeigen einen Trend, keinen Beweis – aber einen Trend, der sich mit mehreren anderen Studien deckt, in denen gezielte Bewegungstherapie bei Hunde-Arthrose zu mehr Gelenkbeweglichkeit und Muskelmasse führte.
Häufige Fragen zu Übungen bzw. Training bei Hunde-Arthrose
Welche Übungen helfen bei Arthrose beim Hund?
Studien wie diese zeigen positive Effekte durch eine Kombination aus aktiver Mobilisation, Balance-Training, Cavaletti-Übungen und kontrollierten Kräftigungsübungen. Entscheidend ist aber nicht die einzelne Übung, sondern die richtige Struktur, Reihenfolge und Belastungssteigerung – im Idealfall individuell auf den Hund abgestimmt.
Wie oft sollte ich mit einem Arthrose-Hund trainieren?
In der Studie wurde 3x pro Woche trainiert mit recht langen Einheiten. Für zuhause bedeutet das nicht zwingend die gleiche Dauer, aber Regelmäßigkeit ist ein wichtiger Faktor für sichtbare Fortschritte.
Kann ich Arthrose-Übungen ohne Anleitung selbst machen?
Sanfte, angepasste Bewegung ist bei Arthrose grundsätzlich sinnvoll – falsch dosierte oder falsch ausgeführte Übungen können aber auch schaden. Deshalb empfehle ich, ein Übungsprogramm immer unter fachkundiger Anleitung aufzubauen.
Was bedeutet das für dich und deinen Hund?
Diese Studie liefert kein revolutionäres neues Rezept, aber etwas fast noch Wertvolleres: eine objektive, nachvollziehbare Dokumentation dessen, was in vielen Tierphysio-Praxen ohnehin schon gemacht wird. Sie zeigt außerdem, dass Fortschritt bei Arthrose nicht „alles oder nichts“ ist – manche Gelenke und manche Hunde reagieren schneller als andere, und Geduld sowie eine saubere, individuell angepasste Übungsprogression zahlen sich aus.
Für dich als Hundehalter heißt das vor allem: Ein durchdachtes, regelmäßiges Bewegungsprogramm ist keine nette Zusatzmaßnahme, sondern ein Baustein mit messbarem Effekt auf Beweglichkeit und Muskulatur – und damit auf die Lebensqualität deines Hundes. Die große Frage ist meistens nicht „ob“, sondern „wie“ – welche Übungen, in welcher Reihenfolge, mit welcher Intensität für genau deinen Hund passen.
Wenn du deinem Hund dabei helfen willst, spürbar beweglicher und kräftiger zu werden, ohne dich selbst monatelang in Fachliteratur einzulesen, schau dir gerne meinen Online-Kurs „Diagnose Arthrose – das kannst du tun“ an – darin bekommst du ein klar strukturiertes, alltagstaugliches Programm aus Übungen, Massage und Akupressur an die Hand – verständlich erklärt und mit der passenden Progression für den Zustand deines Hundes. Oder das umfassende Fitnessprogramm von meinem Online-Kurs „Movin´with care“ mit noch mehr Übungen, die bei Arthrose für deinen Hund Sinn machen.

Lerne alles Wichtige rund um die Diagnose Arthrose: Bild: VitaliTier
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Quelle: Török M, Dvoranová M, Lipták T, Mad’ari A, Kuricová M (2026). *Structured therapeutic exercise program effect on PROM and muscle mass in dogs with osteoarthritis: a prospective clinical study.* Frontiers in Veterinary Science 13:1836746.
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle tierärztliche oder physiotherapeutische Beratung. Ein Trainingsprogramm für einen arthrosekranken Hund sollte immer von einer qualifizierten Fachkraft angeleitet und an den individuellen Zustand des Tieres angepasst werden.*
