Eine neue US-Studie hat erstmals systematisch untersucht, wie Tierärztinnen und Tierärzte mit unterschiedlichem Ausbildungshintergrund Arthrose beim Hund tatsächlich behandeln. Das Ergebnis deckt sich auffällig mit dem, was ich auch in meiner eigenen Praxis fast täglich sehe: Je mehr Reha- und Sportmedizin-Erfahrung ein Tierarzt hat, desto seltener landet am Ende nur eine Tablette im Napf – und desto häufiger ein echtes multimodales Konzept.

Das Wichtigste zum Thema Behandlung von Arthrose in Kürze

  • 373 Tierärzt:innen wurden befragt, wie sie Arthrose beim Hund diagnostizieren und behandeln (Frontiers in Veterinary Science, 2026).
  • Gewichtsmanagement und Omega-3-Fettsäuren sind die am häufigsten empfohlenen Basismaßnahmen – noch vor jedem Medikament.
  • Reha-zertifizierte Tierärzt:innen setzen deutlich häufiger auf Bewegungstherapie, Akupunktur, Stoßwellentherapie und Lasertherapie.
  • Glucosamin/Chondroitin wird trotz schwacher Studienlage noch immer sehr häufig verschrieben – vor allem von weniger spezialisierten Tierärzt:innen.
  • Zu den neueren Medikamenten Librela (Bedinvetmab) und Grapiprant wurden auch wahrgenommene Nebenwirkungen erfasst.
Alternativen zu Librela gibt es einige: Hundefitnesstraining ist in jedem Fall eine sinnvolle Ergänzung.

Ob mit oder ohne Librela: Hunde mit Arthrose profitieren von Bewegungstraining. Und genau das lernst du u.a. in meinem Online Kurs „Diagnose Arthrose – Das kannst du tun“  Bild VitaliTier

Worum ging es in der Studie zur Arthrose-Behandlung?

Ein Team der University of Florida hat 373 Tierärztinnen und Tierärzte befragt – von Allgemeinmedizinern ohne Zusatzausbildung bis hin zu zertifizierten Fachtierärzten für Rehabilitation und Sportmedizin (ACVSMR) oder Chirurgie (ACVS). Die Fragen drehten sich um Diagnostik, Medikamente, Nahrungsergänzungsmittel und nicht-medikamentöse Therapien wie Bewegungstherapie, Laser oder Stoßwellenbehandlung.

Das Ziel: verstehen, wie ein so vielschichtiges Krankheitsbild wie Arthrose in der Praxis tatsächlich gemanagt wird – jenseits der Lehrbücher und Leitlinien.

Die Basics bleiben die Basics in der Therapie bei Arthrose

Wenig überraschend, aber gut zu wissen: Die mit Abstand am häufigsten empfohlene Maßnahme war Gewichtsmanagement – noch vor jedem Medikament. Das deckt sich mit einer breiten Studienlage, die zeigt, dass schon ein moderater Gewichtsverlust bei übergewichtigen Hunden die Lahmheit spürbar reduzieren kann. Auch Omega-3-Fettsäuren  gehörten zu den am häufigsten eingesetzten Nahrungsergänzungsmitteln – hier ist die wissenschaftliche Evidenz vergleichsweise gut.

Bei den Medikamenten dominieren klassische entzündungshemmende Schmerzmittel (NSAIDs), allen voran der Wirkstoff Carprofen. An zweiter Stelle folgte Grapiprant (dir vielleicht eher als Galliprant bekannt), ein neuerer Wirkstoff mit einem anderen Wirkmechanismus.

Therapie bei Arthrose durch Übungen

Schmerzmittel ja – Übungen unbedingt! Eine umfassende Arthrose-Behandlung umfasst auch diese. Bild: KI

Der spannende Teil: Wer Reha-Erfahrung hat, behandelt Arthrose anders

Richtig interessant wird es, wenn man die Antworten nach Ausbildungshintergrund aufschlüsselt. Tierärztinnen und Tierärzte mit Reha-Zertifizierung oder Fachtierarzt-Titel für Sportmedizin/Rehabilitation (ACVSMR) setzen signifikant häufiger auf:

  • Bewegungstherapie / gezielte Übungsprogramme
  • Akupunktur
  • Stoßwellentherapie (ESWT)
  • Lasertherapie
  • Gelenkinjektionen

Diese Gruppe griff außerdem seltener zu Glucosamin/Chondroitin – einem der beliebtesten, aber wissenschaftlich am wenigsten überzeugenden Nahrungsergänzungsmittel bei Arthrose. Stattdessen setzten Reha-Spezialisten eher auf Alternativen wie grünlippige Muschel, CBD, unkollagenisiertes Typ-II-Kollagen oder Curcumin – Präparate, für die es inzwischen bessere Studiendaten gibt.

Mit anderen Worten: Je mehr Erfahrung ein Tierarzt oder eine Tierärztin mit Rehabilitation hat, desto eher wird Arthrose nicht nur mit der Tablette, sondern mit einem echten multimodalen Konzept behandelt. Genau diese Erfahrung mache ich auch in meiner eigenen Praxis: Medikamente können akute Schmerzen lindern, aber ohne begleitende Physiotherapie und Bewegungstherapie bleibt die Muskulatur auf der Strecke – und damit langfristig die Stabilität der Gelenke.

Ein Blick auf Librela und Grapiprant – und ihre gemeldeten Nebenwirkungen

Die Studie hat auch erfasst, wie häufig Nebenwirkungen bei zwei relativ neuen Wirkstoffen wahrgenommen wurden.

Bedinvetmab (Librela®), ein monoklonaler Antikörper gegen einen Nervenwachstumsfaktor, wurde von 41 % der Anwender als nebenwirkungsfrei eingeschätzt. Bei den übrigen wurden am häufigsten Gangunsicherheit/Ataxie (31 %) und vermehrtes Trinken/Urinieren (25 %) berichtet. Interessant: Genau die Tierärzte mit der meisten Reha- und Sportmedizin-Erfahrung setzten dieses Medikament seltener und seltener langfristig ein. Wenn dich das Thema Librela genauer interessiert, findest du in meinen Artikeln Librela für Hunde mit Arthrose: Vor- und Nachteile  und Librela 2026: Die Behörden ziehen nach eine ausführliche Einordnung. Zudem habe ich bereits 2 weitere Artikel zu Librela als Therapie für Arthrose geschrieben.

Grapiprant zeigte vor allem Magen-Darm-Nebenwirkungen: Durchfall (33 %) und Erbrechen (31 %) waren die häufigsten Meldungen. Auch das kann ich von meinen eigenen Hunden und Kunden-Hunden bestätigen.

Wichtig für die Einordnung: Es handelt sich um eine Befragung zu wahrgenommenen Nebenwirkungen, nicht um eine kontrollierte Sicherheitsstudie. Ob ein ursächlicher Zusammenhang besteht, lässt sich daraus nicht ableiten – die Autoren betonen selbst, dass weitere Forschung nötig ist.

Häufige Fragen zur Arthrose-Behandlung beim Hund

Reicht ein Schmerzmittel allein bei Arthrose?
Laut dieser Studie und den international anerkannten COAST-Leitlinien ist Arthrose ein Fall für einen multimodalen Ansatz – also die Kombination aus Gewichtsmanagement, Bewegungstherapie und, wo sinnvoll, Medikamenten oder Nahrungsergänzung. Eine Tablette allein reicht in der Regel nicht aus, um die Lebensqualität langfristig zu erhalten.

Sind Glucosamin und Chondroitin bei Hunde-Arthrose wirksam?
Die Studienlage ist schwach: Eine aktuelle Meta-Analyse fand keinen signifikanten Effekt auf die Arthrose-Symptomatik. Bessere Evidenz gibt es für Omega-3-Fettsäuren und – etwas geringer ausgeprägt – für CBD-Präparate.

Was sind die häufigsten Nebenwirkungen von Librela?
In dieser Befragung wurden am häufigsten Gangunsicherheit/Ataxie und vermehrtes Trinken/Urinieren gemeldet. Mehr dazu liest du in meinem separaten Librela-Artikel.

Was heißt das für dich als Hundehalter?

Diese Studie ist letztlich eine Bestätigung dessen, was viele in der Tierphysiotherapie schon lange erleben: Arthrose lässt sich nicht mit einer einzigen Tablette „wegbehandeln“. Die Kombination aus Gewichtsmanagement, gezielter Bewegungstherapie und – wo sinnvoll – ergänzenden Methoden wie Laser oder Stoßwelle ist genau der Ansatz, den auch die international anerkannten Behandlungsleitlinien (COAST-Konsensus) empfehlen.

Wer für seinen Hund merkt, dass die Standardbehandlung beim Hausarzt nicht ausreicht, für den kann sich ein Blick zu einem auf Rehabilitation spezialisierten Tierarzt oder einer Tierphysiotherapeutin lohnen – nicht als Ersatz für die tierärztliche Behandlung, sondern als sinnvolle Ergänzung.

Wenn du wissen willst, wie so ein multimodales Konzept für deinen eigenen Hund konkret aussehen kann, schau dir gerne meinen Online-Kurs „Diagnose Arthrose – das kannst du tun“ an. Dort bekommst du ein bewährtes, alltagstaugliches Programm aus Übungen, Massage und Akupressur an die Hand, was viele meiner Patienten in ihrem Alltag gut unterstützt.

Online Kurs Arthrose Hund

Einfach umzusetzen ohne Vorkenntnisse, effektiv und alltagsnah – unterstütze deinen an Arthrose erkrankten Hund. Nicht nur im Rahmen der Physiotherapie, sondern jeden Tag direkt zuhause.

———————————————————

Quelle: Bird E, Miscioscia E, Montalbano C, Colee J, Repac J (2026). *Variations in the management of canine osteoarthritis: a cross-sectional survey of veterinary practices.* Frontiers in Veterinary Science 13:1814641.

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle tierärztliche Beratung. Bei Fragen zur Behandlung eures Hundes wendet euch bitte an eure Tierarztpraxis oder eine qualifizierte Tierphysiotherapie.