Nasenarbeit für Hunde und Schnüffelspiele sind mehr als Beschäftigung: Sie machen Hunde nachweislich optimistischer und bauen Stress ab. Erfahre, warum Schnüffeln gerade für ältere, kranke oder ängstliche Hunde so wertvoll ist.

Drinnen den Hund zu beschäftigen ist mit Schnüffelspielen einfach und sogar noch sinnvoll.

Nasenarbeit oder Schnüffelspiele sind eine Bereicherung für das Wohlbefinden unserer Hunde. Bild: Freepik.com

Es gibt diesen Moment, den du vielleicht kennst: Dein Hund senkt die Nase, sein ganzer Körper wird ruhig, konzentriert – und plötzlich ist alles andere unwichtig. Kein Ziehen an der Leine, kein hektisches Umherschauen. Nur noch die Nase und das, was sie gerade entdeckt.

In diesem Moment passiert etwas Besonderes. Etwas, das wir Menschen oft unterschätzen, weil wir die Welt so anders wahrnehmen als unsere Hunde.

Was Nasenarbeit im Gehirn deines Hundes auslöst

Hunde erleben ihre Umwelt vor allem über die Nase. Während wir Menschen etwa 5 Millionen Riechzellen besitzen, sind es beim Hund je nach Rasse zwischen 125 und 300 Millionen. Das Riechhirn macht beim Hund etwa 10 Prozent des gesamten Gehirns aus – beim Menschen sind es gerade einmal 1 Prozent.

Wenn dein Hund schnüffelt, passiert also weit mehr als bloßes Riechen. Er verarbeitet Informationen, trifft Entscheidungen, löst Probleme. Nasenarbeit für Hunde ist kognitive Höchstleistung – verpackt in etwas, das sich für deinen Hund vollkommen natürlich anfühlt.

Und genau hier wird es spannend: Aktuelle wissenschaftliche Studien zeigen, dass diese Art der Beschäftigung messbare Auswirkungen auf das emotionale Wohlbefinden von Hunden hat.

Die Studie zu Nasenarbeit beim Hund, die mich als Hundetrainerin am meisten beeindruckt hat

2018 veröffentlichten die Forscherinnen Charlotte Duranton und Alexandra Horowitz eine Studie mit dem Titel „Let me sniff! Nosework induces positive judgment bias in pet dogs“. Der Titel verrät bereits, worum es geht: Nasenarbeit macht Hunde optimistischer.

Die Methode war elegant: Zwei Gruppen von Familienhunden übten zwei Wochen lang täglich eine Aktivität. Die eine Gruppe machte Nasenarbeit – also das selbstständige Suchen und Finden von versteckten Gerüchen. Die andere Gruppe übte klassische Fußarbeit, also strukturiertes Gehen an der Seite des Menschen.

Vor und nach den zwei Wochen wurden alle Hunde einem sogenannten Cognitive Bias Test unterzogen. Dieser Test misst, ob ein Individuum eher optimistisch oder pessimistisch auf unklare Situationen reagiert. Optimistische Hunde nähern sich einem mehrdeutigen Reiz schneller – sie erwarten etwas Gutes. Pessimistische Hunde zögern länger.

Das Ergebnis war eindeutig: Die Hunde, die regelmäßig Nasenarbeit gemacht hatten, zeigten nach den zwei Wochen eine signifikant schnellere Annäherung an den mehrdeutigen Reiz. Sie waren optimistischer geworden. Bei der Fußarbeit-Gruppe? Keine Veränderung. Was nicht heißen soll, dass nicht auf Fußarbeit richtig Spaß machen kann, nicht umsonst sind meine Hunde und ich Obedience-Fans.

Training und Beschäftigung beim Hund über Nasenarbeit und Schnüffelslpiele

Bestimmte Formen der Nasenarbeit können problemlos drinnen stattfinden – ein idealer Einstieg z.B. für ängstliche Hunde oder Hunde, die Probleme mit Artgenossen/Menschen haben. Bild: Freepik.com

Warum gerade Schnüffelspiele für Hunde diese Wirkung haben

Die Forscherinnen erklären den Effekt mit mehreren Faktoren, die mich als Hundephysiotherapeutin und Hundetrainerin sofort überzeugt haben:

Nasenarbeit ist ein Grundbedürfnis für Hunde

Hunde sind von Natur aus darauf ausgelegt, ihre Umwelt olfaktorisch zu erkunden. Im Alltag vieler Familienhunde kommt dieses Bedürfnis zu kurz. Wir gehen spazieren, aber oft lassen wir unseren Hunden nicht so ausgiebig Zeit zum ausgiebigen Schnüffeln. Oder dein Hund ist hypervigilant und kommt garnicht zum Schnüffeln (Was genau Hypervigilanz ist und warum das eine Gesundheitsgefahr für deinen Hund ist, liest du in meinem Artikel „Hypervigilanz beim Hund„). Schnüffelspiele für Hunde und Nasenarbeit geben ihnen diese Möglichkeit zurück.

Selbstständigkeit stärkt das Selbstvertrauen

Bei der Nasenarbeit (im privaten Bereich) entscheidet der Hund selbst, wohin er geht, wie er sucht, welcher Spur er folgt. Er arbeitet ein Stück weit unabhängig vom Menschen und erlebt sich als wirksam. Diese Selbstwirksamkeit ist ein zentraler Faktor für psychisches Wohlbefinden – bei Hunden genauso wie bei Menschen.

Jede Suche endet mit Erfolg

Anders als bei vielen anderen Beschäftigungsformen gibt es bei der Nasenarbeit weniger Frustration durch Misserfolg. Wenn wir das Training gut und sinnvoll strukturiert gestalten, kommt dein Hund zum Erfolg. Dieses regelmäßige Erfolgserlebnis stärkt das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.

Nasenarbeit und Geruchswahrnehmung baut Stress ab – auch das ist wissenschaftlich belegt

Eine weitere Studie aus dem Jahr 2020 untersuchte die Wirkung von sensorischer Anreicherung auf Tierheimhunde. Die Forscher testeten verschiedene Stimuli: Musik, Lavendel und ein synthetisches Beruhigungspheromon (DAP). Alle drei reduzierten Stressverhalten – aber besonders interessant war die Erkenntnis, dass olfaktorische Stimulation die Hunde nachhaltig beruhigte.

Hunde, die Zugang zu Geruchsreizen hatten, bellten weniger, lagen mehr und zeigten weniger Fluchtverhalten. Der Effekt hielt sogar noch Stunden nach der eigentlichen Stimulation an.

Was bedeutet das für dich und deinen Hund? Schnüffelspiele sind nicht nur Beschäftigung – sie sind aktive Stressreduktion. Dein Hund entspannt sich dabei, auch wenn er gleichzeitig hochkonzentriert arbeitet.

Warum Nasenarbeit gerade für besondere Hunde so wertvoll ist

Als Hundephysiotherapeutin arbeite ich täglich mit Hunden, die nicht mehr alles mitmachen können. Hundesenioren mit Arthrose. Hunde mit HD oder Spondylose. Chronisch kranke Hunde, die körperlich geschont werden müssen.

Für diese Hunde ist Nasenarbeit ein Geschenk.

Die körperliche Belastung für den Bewegungsapparat ist minimal. Dein Hund muss nicht springen, nicht rennen, nicht über Hindernisse klettern. Er kann in seinem eigenen Tempo arbeiten, Pausen machen, wenn er sie braucht, und trotzdem geistig voll gefordert werden.

Einen alten Hund beschäftigen bedeutet oft, umzudenken. Weg von dem, was er früher konnte. Hin zu dem, was ihm heute gut tut. Und kaum etwas tut einem Hundesenior so gut wie die Möglichkeit, seine Nase zu benutzen – diese Fähigkeit, die im Alter nicht nachlässt, sondern oft sogar besser wird, weil der Hund mehr Ruhe und Konzentration mitbringt. Und: Seine kognitiven Fähigkeiten, die im Alter abbauen, können wieder verbessert werden. Das zeigte sich eindrucksvoll bei meinem eigenen Hundesenioren Flynn, der noch mit 12 Jahren von mir ins Scent Detection, eine geniale Form der Nasenarbeit, eingeführt wurde.

Gelenkschonende Beschäftigung muss nicht langweilig sein. Im Gegenteil: Wenn ich sehe, wie ein Hund mit schwerer Arthrose plötzlich aufblüht, weil er einen versteckten Geruch gefunden hat, dann weiß ich, warum ich diese Kombination von Hundephysiotherapie und Hundetraining mache.

Nasenarbeit für ängstliche und reaktive Hunde

Es gibt noch eine Gruppe von Hunden, für die Nasenarbeit besonders wertvoll ist: Hunde mit Verhaltensproblemen. Ängstliche Hunde. Reaktive Hunde. Hunde, die draußen ständig auf der Hut sind und kaum zur Ruhe kommen.

Warum hilft Nasenarbeit gerade diesen Hunden?

Zunächst einmal: Du kannst komplett indoor beginnen. In der Wohnung, im sicheren Raum, dort wo dein Hund sich wohlfühlt. Kein Druck, keine Reizüberflutung, keine angstauslösenden Situationen. Dein Hund lernt in seinem eigenen Tempo, mit dir als sicherem Anker.

Und dann passiert etwas Erstaunliches. Die positive Erfahrung, die dein Hund beim Suchen macht, überträgt sich auf andere Situationen. Das Selbstvertrauen wächst. Die Konzentration auf die Aufgabe verdrängt die Angst.

Ich erinnere mich an eine Teilnehmerin in meinem Kurs. Sie kam mit einer Angsthündin aus dem Tierschutz. Eine Hündin, die draußen ständig in Alarmbereitschaft war, die bei jedem unbekannten Reiz zusammenzuckte. Die Besitzerin rechnete nicht damit, dass Scent Detection für sie funktionieren würde.

Doch nach einigen Wochen Training suchte diese Hündin auf einem vollen Supermarktparkplatz. Im Dunkeln. Eine Situation, die sie sonst in Panik versetzt hätte. Aber in diesem Moment spielte das keine Rolle. Die Freude am Suchen war größer als die Angst. Der Fokus auf den Geruch ließ keinen Raum für Sorgen.

Das ist es, was Nasenarbeit leisten kann. Nicht als Wundermittel, nicht über Nacht. Aber als Weg, deinem Hund zu zeigen, dass er mehr kann, als er glaubt.

Ob drinnen oder draußen Suchspiele für Hunde können ängstlichen Hund helfen mehr Selbstbewusstsein zu bekommen.

Auch draußen lassen sich tolle Gelegenheiten für Suchspiele oder Nasenarbeit schaffen. Bild: Freepik.com

Den Hund geistig fit halten durch Nasenarbeit – ein Leben lang

Kognitive Beschäftigung ist für Hunde genauso wichtig wie für Menschen. Ein Gehirn, das gefordert wird, bleibt länger fit. Das gilt besonders für ältere Hunde: Nasenarbeit kann dazu beitragen, geistigem Abbau entgegenzuwirken und deinen Hundesenior geistig fit zu halten.

Aber auch junge Hunde profitieren. Hunde, die regelmäßig ihre Nase benutzen dürfen, sind insgesamt ausgeglichener, zeigen weniger problematisches Verhalten und haben eine höhere Frustrationstoleranz.

Das Schöne daran: Du brauchst keine teure Ausrüstung, keinen Trainingsplatz, keine besonderen Voraussetzungen. Schnüffelspiele selber machen ist einfach – und der Einstieg in die strukturierte Nasenarbeit ebenfalls.

Scent Detection als Form der Nasenarbeit für den Hund: Der nächste Schritt

Wenn du die Wirkung von Schnüffelspielen für deinen Hund erleben möchtest, ist Scent Detection ein wunderbarer Einstieg. Bei dieser Form der Nasenarbeit lernt dein Hund, einen bestimmten Zielgeruch zu erkennen, zu lokalisieren und anzuzeigen.

Das klingt vielleicht nach Profisport – ist es aber nicht. Scent Detection lässt sich an jeden Hund anpassen. An jeden Gesundheitszustand, an jedes Alter, an jedes Temperament.

In meinem Online-Kurs „Scent Detection – Schnüffel-Glücksmomente mit deinem Hund“ begleite ich dich Schritt für Schritt:

– Du lernst, wie Geruch funktioniert und wie dein Hund ihn wahrnimmt
– Du baust ein passendes Anzeigeverhalten auf – angepasst an die körperlichen Möglichkeiten deines Hundes
– Du startest in die ersten Suchen und erlebst, wie dein Hund aufblüht

Der Kurs ist bewusst für Anfänger konzipiert. Du brauchst keine Vorerfahrung, keinen Hund mit besonderer Ausbildung. Was du brauchst: Die Bereitschaft, deinem Hund zuzutrauen, dass er zu großartigen Dingen fähig ist.

Egal ob dein Hund schon zu den Senioren gehört, ob er chronisch krank ist oder ob er mit Ängsten kämpft – bei Scent Detection kann er zeigen, was in ihm steckt. Und du wirst staunen, wie viel das ist.

Hier erfährst du mehr über den Kurs und die nächsten Starttermine: Scent Detection – Schnüffel-Glücksmomente mit deinem Hund

Und solltest du grad einen Starttermin verpasst haben, kannst du dich auf die unverbindliche Warteliste für den nächsten Kursstart setzen lassen. 

Die wichtigsten Erkenntnisse auf einen Blick

Nasenarbeit und Schnüffelspiele sind weit mehr als nette Beschäftigung für zwischendurch:

  • Wissenschaftlich belegt optimistischer: Regelmäßige Nasenarbeit verändert die emotionale Grundstimmung von Hunden messbar zum Positiven
  • Stressabbau durch Schnüffeln: Olfaktorische Beschäftigung reduziert Stressverhalten nachhaltig
  • Ideal bei körperlichen Einschränkungen: Minimale Belastung für Gelenke bei maximaler geistiger Auslastung
  • Selbstvertrauen für ängstliche Hunde: Die Fokussierung auf die Suche kann Ängste in den Hintergrund treten lassen
  • Geistige Fitness bis ins hohe Alter: Kognitive Beschäftigung hält das Hundegehirn aktiv

 


Quellen u.a.:

Duranton, C. & Horowitz, A. (2018). Let me sniff! Nosework induces positive judgment bias in pet dogs. Applied Animal Behaviour Science, 211, 61-66.
Amaya, V., Paterson, M.B.A. & Phillips, C.J.C. (2020). Effects of Olfactory and Auditory Enrichment on the Behaviour of Shelter Dogs. Animals, 10(4), 581.