Krankengymnastik beim Hund: Hat dein Hund Probleme beim Laufen, zeigt Steifheit nach dem Aufstehen oder hat sich von einer Operation erholt? Dann könnte Krankengymnastik für deinen Hund die Lösung sein. 

Physiotherapie Hund München

Krankengymnastik beim Hund oder lieber Physiotherapie? Gibt es überhaupt einen Unterschied?

 

Was ist Krankengymnastik beim Hund?

Krankengymnastik beim Hund umfasst verschiedene therapeutische Behandlungsmethoden, die darauf abzielen, die Beweglichkeit und Muskelkraft deines Hundes zu verbessern. Ähnlich wie bei der Humanphysiotherapie werden gezielte Übungen, Massagen und passive Bewegungen eingesetzt, um den Heilungsprozess zu unterstützen und die Lebensqualität zu steigern.

Krankengymnastik ist der ältere, deutsche Begriff, der seit dem 19. Jahrhundert verwendet wird. Er stammt aus einer Zeit, als die Behandlung hauptsächlich aus gymnastischen Übungen bestand – daher „Kranken-gymnastik“.
Physiotherapie ist der modernere, internationale Begriff (vom griechischen „physis“ = Natur und „therapeia“ = Behandlung). Er setzte sich ab den 1980er Jahren auch im deutschsprachigen Raum durch und spiegelt das erweiterte Behandlungsspektrum wider.

Praktische Unterschiede heute

Krankengymnastik wird oft für den klassischen Teilbereich verstanden, der sich auf:

Bewegungsübungen
Gymnastik
Aktive Therapie durch den Patienten

Physiotherapie umfasst das gesamte Spektrum:

Krankengymnastik (als Teilbereich)
Manuelle Therapie
Massagen
Elektrotherapie
Wärme-/Kältetherapie
Wassertherapie

Ein ausgebildeter Tierphysiotherapeut entwickelt für deinen Hund einen individuellen Therapieplan, der auf seine spezifischen Bedürfnisse und Beschwerden zugeschnitten ist.

Wann kommt Krankengymnastik beim Hund zum Einsatz?

Die Anwendungsgebiete für Krankengymnastik beim Hund sind vielfältig. Besonders häufig wird sie bei orthopädischen Problemen eingesetzt. Dazu gehören Arthrose, Hüftdysplasie, Ellbogendysplasie, Kreuzbandrisse und andere Gelenkerkrankungen (Du findest zu diesen Erkrankungen einige Blogartikel, die dir bestimmt weiterhelfen). Nach operativen Eingriffen kann die Krankengymnastik beim Hund den Heilungsprozess beschleunigen und dabei helfen, die ursprüngliche Beweglichkeit wiederzuerlangen.

Auch bei neurologischen Erkrankungen wie Bandscheibenvorfällen, Lähmungen oder nach Schlaganfällen kann die Krankengymnastik für deinen Hund wertvolle Unterstützung bieten. Darüber hinaus wird sie präventiv bei älteren Hunden eingesetzt, um altersbedingte Beschwerden zu lindern und die Muskulatur zu stärken.

Sportverletzungen sind ein weiteres wichtiges Einsatzgebiet. Aktive und sportliche Hunde können sich ebenso wie menschliche Athleten Zerrungen, Überdehnungen oder andere Verletzungen zuziehen, die durch gezielte physiotherapeutische Maßnahmen behandelt werden können.

Methoden und Übungen in der Krankengymnastik bei Hunden

Die Krankengymnastik für Hunde umfasst verschiedene Behandlungsmethoden, die je nach Beschwerdebild kombiniert werden. Passive Bewegungsübungen gehören zu den grundlegenden Techniken. Dabei bewegt der Therapeut die Gelenke deines Hundes sanft durch ihren natürlichen Bewegungsumfang, ohne dass der Hund aktiv mitarbeiten muss. Diese Übungen helfen dabei, die Gelenkbeweglichkeit zu erhalten und Versteifungen vorzubeugen.

Aktive Übungen fordern deinen Hund dazu auf, bestimmte Bewegungen selbst auszuführen. Dazu gehören kontrollierte Gehübungen an der Leine, das Steigen über kleine Hindernisse oder das Balance-Training auf instabilen Unterlagen. Diese Übungen stärken die Muskulatur und verbessern die Koordination.

Hydrotherapie als besondere Form der Krankengymnastik

Eine besondere Rolle in der Krankengymnastik für Hunde spielt die Hydrotherapie oder Wassertherapie. Das Training im Wasser nutzt den Auftrieb, um das Körpergewicht zu reduzieren und die Gelenke zu entlasten. Gleichzeitig bietet das Wasser einen sanften Widerstand, der die Muskulatur stärkt.

Unterwasserlaufbänder ermöglichen es, dass dein Hund auch bei eingeschränkter Mobilität ein kontrolliertes Gehtraining absolvieren kann. Die Wassertiefe kann dabei individuell angepasst werden, je nachdem, wie stark die Entlastung sein soll. Diese Form der Krankengymnastik ist besonders schonend und wird daher gerne bei älteren Hunden oder nach Operationen eingesetzt.

Ich sehe allerdings das Unterwasserlaufband nicht als das Non-Plus-Ultra an, wie manche Tierärzte es suggerieren. Auch ohne Unterwasserlaufband kann eine erfolgreiche Rehabilitation nach Operationen erfolgen. Bei fehlender Gehlfähigkeit ist es jedoch hilfreich und ich empfehle dann gerne eine Kollegin, die Hydrotherapie anbietet.

Bevor es an Fitnessübungen geht, macht ein Fitnesstest Sinn.

Ich hatte längere Zeit ein sog. Trockenlaufband, welches ebenfalls gut in der Reha eingesetzte werden kann. Bild: VitaliTier

Vorteile der Krankengymnastik für deinen Hund

Die Krankengymnastik bietet deinem Hund zahlreiche Vorteile. An erster Stelle steht die Schmerzlinderung. Durch gezielte Übungen und Behandlungen können Verspannungen gelöst und Schmerzen reduziert werden, was die Lebensqualität erheblich verbessert.

Die Stärkung der Muskulatur ist ein weiterer wichtiger Aspekt. Schwache oder ungleichmäßig entwickelte Muskeln können zu Fehlbelastungen und weiteren Problemen führen. Die Krankengymnastik beim Hund hilft dabei, die Muskulatur aufzubauen und ein gesundes Gleichgewicht zwischen verschiedenen Muskelgruppen herzustellen.

Verbesserte Beweglichkeit und Koordination sind weitere positive Effekte. Viele Hunde zeigen nach einer physiotherapeutischen Behandlung eine deutlich flüssigere Bewegung und mehr Freude an körperlicher Aktivität. Dies ist besonders wichtig für die psychische Gesundheit deines Hundes, da Bewegungseinschränkungen oft zu Frustration und Verhaltensänderungen führen können.

Darüber hinaus kann die Krankengymnastik für Hunde den Heilungsprozess nach Verletzungen oder Operationen beschleunigen und das Risiko für Folgeschäden reduzieren. Eine frühzeitige und professionelle physiotherapeutische Betreuung kann langfristig dabei helfen, die Notwendigkeit von Schmerzmitteln zu reduzieren.

Die ersten Schritte zur Krankengymnastik für deinen Hund

Bei der ersten Behandlung wird der Therapeut eine ausführliche Anamnese erheben und deinen Hund gründlich untersuchen. Dabei werden Bewegungsabläufe analysiert, die Muskulatur abgetastet und die Gelenkbeweglichkeit getestet. Basierend auf diesen Erkenntnissen wird ein individueller Behandlungsplan erstellt.

Die Dauer und Häufigkeit der Behandlungen richtet sich nach dem jeweiligen Beschwerdebild. Während akute Probleme oft innerhalb weniger Wochen deutliche Verbesserungen zeigen, können chronische Erkrankungen eine längerfristige Betreuung erfordern. Wichtig ist, dass du als Besitzer aktiv in die Therapie einbezogen wirst und erlernst, wie du deinen Hund zwischen den Terminen unterstützen kannst.

Übungen für zuhause

Ein wichtiger Bestandteil der erfolgreichen Krankengymnastik für deinen Hund sind Übungen, die du selbst durchführen kannst. Der Therapeut wird dir zeigen, wie du deinen Hund zwischen den Behandlungen unterstützen kannst. Es ist wichtig, dass du diese Heimübungen regelmäßig und korrekt durchführst. Überforderung kann kontraproduktiv sein, daher solltest du dich genau an die Anweisungen des Therapeuten halten. Bei Unsicherheiten oder wenn dein Hund Schmerzen zeigt, solltest du die Übungen unterbrechen und Rücksprache halten.

Schwimmen ist ein gutes Konditionstraining für Hunde.

Achtung: Für den reinen Muskelaufbau ist Schwimmen weniger geeignet, da gibt es deutlich effektiver Übungen.

Grenzen und Risiken der Krankengymnastik

Obwohl die Krankengymnastik für Hunde in den meisten Fällen sehr sicher ist, gibt es auch Grenzen und mögliche Risiken. Bei akuten Entzündungen, frischen Verletzungen oder bestimmten Erkrankungen kann eine klassische Krankengymnastik kontraindiziert und z.B. eine Elektrotherapie im Sinne des weiteren Begriffes Tierphysiotherapie sinnvoller sein. 

Die Krankengymnastik für deinen Hund ist eine wertvolle Ergänzung zur veterinärmedizinischen Versorgung, die bei vielen Beschwerden deutliche Verbesserungen bringen kann. Durch die Kombination aus professioneller Behandlung und konsequenter Mitarbeit als Hundebesitzer kannst du deinem Hund zu mehr Beweglichkeit, weniger Schmerzen und einer besseren Lebensqualität verhelfen. 

Und zum Schluss: Krankengymnastik wird als Begriff in Deutschland nur noch sehr selten benutzt. Sollte ein Therapeut diesen Begriff benutzen, frag gerne nach, was er darunter versteht.