ADHS beim Hund? Können Hunde tatsächlich ADHS wie wir Menschen haben?

Dein Hund zerstört die Wohnung, kann keine Minute still sitzen und vergisst ständig gelernte Kommandos? Dann könnte er zu den 15-20% der Hunde gehören, die an ADHS-ähnlichen Symptomen leiden. Diese Zahlen stammen aus der bislang größten wissenschaftlichen Studie mit über 11.000 Hunden der Universität Helsinki.

In diesem Artikel beleuchten wir die wissenschaftliche Seite, ich erzähle dir von Yuno, meinem 4-jährigen Border Collie Rüde, der wohl in diese Kategorie fällt und ich empfehle dir 2 Übungen, die bei solchen Hund Sinn machen kann.

Leben mit einem Hund, der wohl ADHS ist oft anstrengend

Yuno – Schmerzpatient und wohl auch mit den Themen ADHS und Autismus beschäftigt.

Was ist ADHS beim Hund? Die wissenschaftlichen Grundlagen

Die Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) bei Hunden – medizinisch als hyperkinetische Störung, ADHS-like Syndrom oder Hypersensitivitäts-Hyperaktivitäts-Syndrom (HSHA) bezeichnet – ist eine neurologische Entwicklungsstörung, die dem menschlichen ADHS sehr ähnelt.

Aktuelle Forschungsergebnisse zeigen:

  • 15% der Hunde zeigen Hyperaktivität/Impulsivität
  • 19,1% der Hunde leiden unter Unaufmerksamkeit
  • Männliche, junge Hunde sind deutlich häufiger betroffen
  • Gleiche Neurotransmitter wie beim Menschen sind betroffen (Dopamin, Serotonin)

Neurobiologische Grundlagen von ADHS beim Hund: Was passiert im Gehirn?

Wissenschaftliche Untersuchungen haben bei ADHS-Hunden signifikant niedrigere Werte von wichtigen Neurotransmittern nachgewiesen:

  • Dopamin-Mangel: Reguliert Motorik, Aufmerksamkeit und Belohnung – ADHS-Hunde haben messbar weniger Dopamin im Blut – Verantwortlich für Konzentrationsprobleme und Impulsivität
  • Serotonin-Defizit: Kontrolliert Verhaltenshemmung und Impulskontrolle – bei ADHS-Hunden deutlich reduzierte Serotoninspiegel – Erklärt aggressive und ängstliche Verhaltensweisen

Der entscheidende Unterschied: Lebhaft oder ADHS beim Hund?

Ein „normaler“ aktiver Hund kommt nach 30-60 Minuten Aktivität zur Ruhe, reagiert angemessen auf Reize, kann sich auf Training konzentrieren und schläft 12-14 Stunden am Tag. Mehr zum Thema „Schlaf beim Hund: Schlafdauer, Schlafpositionen, unruhiger Schlaf beim Hund und weitere Fragen„.
Ein Hund mit einem ADHS-Verdacht bleibt auch nach 2-3 Stunden Aktivität unruhig, vergisst Kommandos sehr schnell wieder, schläft oft nur 6-8 Stunden täglich und reagiert eher über selbst aus kleinste Reize.
Ob es dann wirklich so eine Störung ist oder doch unpassende Strukturen in der Haltung des Hundes ursächlich sind, ist dann die große Frage.

Gibt es ADHS bei Hunden? Wohl ja

Ist das noch normal oder ist das schon ADHS beim Hund? Die Frage lässt sich inzwischen leichter klären.

Die 7 wissenschaftlich belegten Symptome von ADHS beim Hund

Solche Hunde mit ADHS-Verdacht zeigen letztlich ähnliche Symptome wie wir sie beim Menschen kennen.
Basierend auf der Helsinkier Großstudie und validierter Fragebögen zeigen ADHS-Hunde diese Kernsymptome:

1. Hyperaktivität

  • Rastlosigkeit: Ständiges Umherlaufen, auch nachts
  • Unfähigkeit zu entspannen: Selbst bei Müdigkeit kein Zur-Ruhe-Kommen
  • Exzessive Bewegungen: Kreiseln, Springen, Zittern ohne Grund
  • Schlafstörungen: Nur 4-6 Stunden Schlaf statt normaler 12-14 Stunden

2. Impulsivität

  • Kontrollverlust: Anspringen trotz Training
  • Ungeduld: Unfähigkeit zu warten (Futter, Türöffnung)
  • Überreaktionen: Extreme Reaktionen auf alltägliche Reize

3. Aufmerksamkeitsdefizit

  • Kurze Konzentration: Maximum 30 Sekunden Fokus
  • Vergesslichkeit: Bekannte Kommandos werden „vergessen“
  • Leichte Ablenkbarkeit: Jeder Reiz unterbricht die Aufmerksamkeit
  • Lernschwierigkeiten: 5x längere Trainingszeit als normal

4. Destruktives Verhalten

  • Zerstören von Möbeln und Gegenständen
  • Kratzen an Wänden und Türen
  • Zerbeißen von allem Erreichbaren
  • Selbstverletzendes Verhalten (Pfoten lecken, Schwanz jagen)

5. Vokalisierung

Die neue Forschung aus Budapest (2024) identifizierte dies als vierte Dimension:

  • Exzessives Bellen ohne erkennbaren Grund
  • Ständiges Winseln oder Jaulen
  • „Reden“ ohne Unterbrechung
  • Nächtliche Lautäußerungen

6. Soziale Probleme

  • Schwierigkeiten im Umgang mit Artgenossen
  • Überforderung in Hundegruppen
  • Missverständnisse in der Kommunikation
  • Konflikte durch Impulsivität

7. Stressanfälligkeit

  • Schnelle Überforderung
  • Schwierigkeiten bei Veränderungen
  • Extreme Reaktionen auf Stress
  • Langsame Erholung nach Aufregung

Wissenschaftlicher Selbsttest: ADHS beim Hund – ist mein Hund vielleicht betroffen?

Dieser Test basiert auf dem validierten Dog ADHD Rating Scale (Dog ARS) der internationalen Forschung:
Achtung, durch diesen Selbsttest ist lediglich eine erste Einschätzung möglich.

Beantworte diese 10 Fragen ehrlich:
□ Mein Hund kann auch nach 2 Stunden Aktivität nicht zur Ruhe kommen
□ Er vergisst regelmäßig bereits gelernte Kommandos
□ Training dauert deutlich länger als bei anderen Hunden
□ Er zeigt destruktives Verhalten trotz Auslastung
□ Schlafzeit liegt unter 10 Stunden täglich
□ Extreme Reaktionen auf alltägliche Reize (Türklingel, andere Hunde)
□ Unfähigkeit, 5 Minuten ruhig zu sitzen/liegen
□ Ständiges Bellen/Jaulen ohne erkennbaren Grund
□ Konzentration beim Training maximal 30 Sekunden
□ Impulsive Handlungen gefährden ihn selbst oder andere

Auswertung:
0-2 Ja: Wahrscheinlich kein ADHS
3-5 Ja: Verdacht auf ADHS oder andere Verhaltensprobleme
6-10 Ja: Hohe Wahrscheinlichkeit für ADHS – Tierarzt konsultieren!

Ursachen von ADHS beim Hund und Risikofaktoren

Es gibt laut Studien verschiedene mögliche Ursachen und Risikofaktoren für ADHS bei Hunden.

Genetische Faktoren: Welche Rassen sind eher von ADHS betroffen?

Die Helsinki-Studie mit 11.000 Hunden identifizierte klare Rassendifferenzen:

  • Hochrisiko-Rassen (Hyperaktivität/Impulsivität): Cairn Terrier / Jack Russell Terrier / Deutscher Schäferhund / Staffordshire Bull Terrier
  • Hochrisiko-Rassen (Unaufmerksamkeit): Cairn Terrier / Golden Retriever / Finnischer Lappländer
  • Niedrigrisiko-Rassen: Chihuahua / Langhaarcollies / Chinese Crested Dog / Zwergpudel

Umweltfaktoren bei ADHS beim Hund

Pränatale Faktoren wie Stress der Mutterhündin während Trächtigkeit, Mangelernährung im Mutterleib oder Toxine oder Medikamente während der Trächtigkeit können die Entwicklung dieser Störung beeinflussen.

Auch frühkindliche Faktoren wie Trennung vor der 8. Lebenswoche, fehlende Sozialisation (Woche 3-14), traumatische Erlebnisse oder eine reizarme Aufzucht (Zwinger, Isolation) begünstigen wohl die Entwicklung von ADHS bei Hunden.

Spannend sind auch mögliche haltungsbedingte Faktoren wie Bewegungsmangel: <1h täglich vs. >3h (signifikanter Unterschied), Überforderung durch zu viel Aktivität, Unterforderung intelligenter Rassen. Hier sehe insbesondere die Arbeitsrassen als gefährdeter an.

Inkonsistente Strukturen wie unregelmäßige Tagesabläufe und längere Alleinezeiten: >8h täglich erhöhen ADHS-Risiko signifikant laut Studien.

Demografische Risikofaktoren

Wissenschaftlich bestätigt wurde, dass Rüden 2x häufiger betroffen und junge Hunde deutlich anfälliger sind als Ältere. Spannend ist auch das wohl die Besitzerfahrung eine Rolle spielen kann, denn es sind wohl Zweithunde häufiger betroffen. Woran das liegen kann, bleibt wohl erstmal offen.

Zeichen von ADHS sind vielfältig

Jung, männlich, Arbeitsrasse – da steigt das Risiko von ADHS beim Hund

Komorbiditäten: Begleiterkrankungen bei ADHS bei Hunden

Die Forschung zeigt starke Zusammenhänge mit:

  • Verhaltensauffälligkeiten wie Zwangsverhalten (85% der ADHS-Hunde betroffen), Aggressivität (Erhöhtes Risiko durch Impulskontrollstörung) und Ängstlichkeit (Gemeinsame neurobiologische Basis)
  • Medizinische Komorbiditäten wie Epilepsie ( 12-15% der epileptischen Hunde zeigen ADHS-Symptome) und Atopische Dermatitis (Signifikanter Zusammenhang nachgewiesen)

Professionelle ADHS-Diagnose beim Hund durch den Tierarzt

Der wissenschaftlich fundierte Diagnose-Prozess verläuft in mehreren Phasen:

  • Phase 1: Erstuntersuchung (Tag 1) mit ausführliche Anamnese (60-90 Min), körperliche Untersuchung + Blutbild
  • Phase 2: Verhaltensdiagnostik (Woche 1-2) mit DAFRS-Fragebogen (Dog ADHD and Functionality Rating Scale), Videoanalyse häuslichen Verhaltens und strukturierter tierärztlicher Beobachtung
  • Phase 3: Ausschlussdiagnostik (Woche 2-3) mit neurologische Untersuchung, Schmerzdiagnostik, Schilddrüsenwerte, Hormone – insbesondere die Schmerzdiagnostik halte ich für essentielle, viele unterschätzen immer noch wie Schmerz sich auf Verhalten des Hundes auswirken kann
  • Phase 4: Methylphenidat-Test (Goldstandard) mit Dosierung: 0,5mg/kg Körpergewicht – Bei ADHS: Beruhigung nach 30-60 Min – Ohne ADHS: Aufputschende Wirkung

Neue Diagnose-Tools 2024/2025

Neu ist nun der Rest über DAFRS (Dog ADHD and Functionality Rating Scale), entwickelt von der Universität Budapest, validiert an über 1.100 Hunden. Es werden 47 Fragen in 4 Kategorien gestellt und bewertet.

Behandlung von ADHS beim Hund

Ich persönlich halte nicht viel davon, nur Medikamente zu geben und nicht gleichzeitig den Alltag an die Bedürfnisse des Hundes anzupassen und weitere geeignete Therapiemaßnahmen zu erreichen.

Mögliche Maßnahmen bei ADHS-Hunden

Stufe 1: Strukturierung des Alltags bei ADHS-Hunden

  • Feste Routinen: Reduzieren Stresshormone messbar
  • Ruhezonen: Separate Bereiche ohne Durchgangsverkehr
  • Schlafhygiene: 18-20°C, abgedunkelt, 12-14h Schlafmöglichkeit

Beispiel Yuno: Wir haben Rituale aufgebaut, die ihm helfen zu verstehen, was gleich folgt und somit eine beruhigende Wirkung für ihn haben. Und er hat seine “Ruhe-Bereiche”, die ich mit ihm aufgebaut habe. Wenn er an diese Orte geht oder von mir hingeschickt wird, gibt es nur Ruhe an diesem Ort, sonst nichts.

Stufe 2: Spezialisiertes Verhaltenstraining

  • Impulskontroll-Training
  • konditionierte Entspannung
  • Konzentrationstraining

Beispiel Yuno: Auch hier nutze ich die o.g. Bereiche/Orte zur konditionierten Entspannung sowie teilweise auch extra für ihn angefertigte Aroma-Öl-Mischungen, die zur Entspannung und Beruhigung beitragen können.

Stufe 3: Optimierte Auslastung für hyperaktive Hunde

  • Ruhige Beschäftigungen sind in der Regel für solche Hunde besser geeignet als wilde Spiele oder dynamische Sportarten. Richtig toll: Nasenarbeit, z.b. Mantrailing, Fährtensuche, Geruchsdifferenzierung oder mein Favorit Scent Detection
  • Kopfarbeit, z.B. Intelligenzspielzeuge, Futtersuchspiele oder mein Favorit Tricktraining
  • Strukturierte Bewegung, z.B. Hundefitnesstraining, Bodenarbeit

Was ich bei Yuno sehr stark gemerkt habe: sehr kurze Trainingseinheiten helfen ihm enorm. Und ja, manchmal sind das dann nur 2 Min. Und das lieber 3x am Tag.

Stufe 4: Medikamentöse Therapie bei ADHS beim Hund

  • Erstlinien-Medikamente: Methylphenidat (Ritalin, Medikinet), Dosierung: 0,5-2mg/kg, 2-3x täglich, Wirkungseintritt: 30-60 Minuten, Erfolgsquote: 75%, , Nebenwirkungen: Appetitlosigkeit, Schlafstörungen, Kosten: 30-60€/Monat
  • Fluoxetin (Prozac) bei zusätzlicher Angstproblematik, Dosierung: 1-2mg/kg, 1x täglich, Wirkungseintritt: 2-4 Wochen, Erfolgsquote: 60%, Kosten: 20-40€/Monat
  • Alternative/Ergänzende Therapien: L-Theanin (Anxitane) als natürliches Beruhigungsmittel, 5-10mg/kg, 2x täglich, keine Nebenwirkungen, Kosten: 25-40€/Monat oder CBD-Öl, 1-2mg/kg, 2x täglich. Studienlage noch dünn. Kosten: 40-80€/Monat

Stufe 5: Ganzheitlicher Ansatz

  • Ernährungsoptimierung für hyperaktive Hunde: Empfohlen sind hochwertige Proteine: Mindestens 25%, idealerweise aus einer Quelle, Omega-3-Fettsäuren: 1000mg/10kg Körpergewicht (Fischöl, Lachsöl), B-Vitamine: Besonders B1, B6, B12 für Nervenfunktion, Magnesium: 150mg/Tag für mittelgroße Hunde und L-Tryptophan: Vorstufe von Serotonin (beruhigend)

Umgebungsanpassung für ADHS-Hunde

  • Ruhezone ohne Durchgangsverkehr
  • Verdunkelung für besseren Schlaf
  • Reduzierung von Reizen (TV, Radio aus)
  • Pheromondiffusor (Adaptil)
  • Temperatur: 18-20°C im Schlafbereich

Leben mit einem ADHS-Hund: Praktische Alltagstipps

Vorweg ein paar Anmerkungen von mir: Vielleicht hat dein Hund eine ADHS-ähnliche Erkrankung bzw. Störung, damit seid ihr aber nicht allein und es macht ihn nicht zum „schlechteren Hund“. Dein Hund braucht aber mehr Unterstützung von dir, denn Manches fällt ihm einfach schwerer als anderen Hunden. Es wird Grenzen des Machbaren geben, aber ihr könnt dennoch viel erreichen – wenn ihr euch ein wenig anpasst. Und weil ich selbst nun schon einige Erfahrungen mit solchen Hunden sammeln konnte, gibt es mein Herzensprojekt: Glücksmomente für dich & deinen Hund schaffen – durch angepasste sinnvolle Beschäftigungsformen. Ganz bald erfährt du mehr dazu auf meiner Seite!

  • Morgenroutine schaffen durch z.B. immer gleiche Aufstehzeit, einen ruhigen Start ohne Aufregung durch z.B. ein Massage-Ritual etc.
  • Trainingseinheiten sehr kurz halten und lieber nur eine Übung abfragen und dann wieder eine längere Pause machen.
  • Ruhephasen bewusst gestalten. Unterstützend kannst du hier Entspannungsmusik dazu nehmen oder entspannende Düfte testen.
  • Selbstfürsorge nicht vergessen. Das Leben mit so einem Hund ist stressiger. Umso wichtiger ist es, dass wir uns und unsere Entspannungsmomente nicht vergessen.
Spürhundesport ist eine tolle Beschäftigung.

Angepasste Beschäftigungsmöglichkeiten sind für Hunde mit ADHS ähnlichen Symptomen wichtig für einen entspannteren Alltag.

Die 6 häufigsten Fehler bei ADHS bei Hunden vermeiden

❌ Fehler 1: „Auspowern bis zur Erschöpfung“
Problem: Hund wird immer fitter und fordernder Lösung: Qualität statt Quantität – Kopfarbeit statt Dauerrennen
❌ Fehler 2: „Das wächst sich aus“
Problem: Der “alleinegelassener” Hund leidet und kann krank werden durch zu wenig Schlaf etct Lösung: Frühe Intervention, professionelle Hilfe
❌ Fehler 3: „Bestrafen hilft“
Problem: Verschlimmert Stress und Symptome Lösung: Hilfe für ein passendes Training und Beschäftigungsprogramm holen
❌ Fehler 4: „Mehr Kommandos = bessere Kontrolle“
Problem: Überforderung des ADHS-Hundes Lösung: Wenige, klare Kommandos perfektionieren
❌ Fehler 5: „Medikamente als Erste Wahl“
Problem: Viele Hunde brauchen trotz Medikamente Unterstützung im Alltag und Training Lösung: Neben Medikamenten weitere Maßnahmen ergreifen
❌ Fehler 6: „Vergleiche mit anderen Hunden“
Problem: Unrealistische Erwartungen Lösung: Individuelle Fortschritte würdigen

Häufige Fragen (FAQ)

Kann ADHS beim Hund geheilt werden?
ADHS ist keine „heilbare“ Krankheit, sondern eine neurologische Besonderheit. Mit der richtigen Behandlung können jedoch Verbesserungen im Verhalten und im Zusammenleben oft erreicht werden.

Ab welchem Alter kann ADHS diagnostiziert werden?
Erste Anzeichen zeigen sich oft schon mit 8-12 Wochen. Eine sichere Diagnose ist jedoch erst ab 6 Monaten möglich, da sich vorher normales Welpenverhalten und ADHS-Symptome zu sehr überschneiden.

Können ADHS-Hunde ein normales Leben führen?
Ehrlich gesagt: ich weiß es nicht. Bei Yuno steht neben ADHS auch das Autismus-Sprekturm im Raum. Hier ist die Wissenschaft noch viel weiter zurück. Seit Yuno Medikamente bekommt, ist er zumindest Zuhause deutlich entspannter. Ich denke, mit der richtigen Behandlung und Management können ADHS-Hunde eine Steigerung der Lebensqualität erreichen und somit auch ihre Menschen ein Stück weit mehr Normalität erleben.

Wann du sofort handeln solltest

Suche dir umgehend professionelle Hilfe, wenn:
🚨 dein Hund sich selbst verletzt
🚨 Aggressives Verhalten zunimmt
🚨 du dich überfordert fühlen
🚨 dein Hund weniger als 6 Stunden schläft
🚨 Zerstörungswut trotz Auslastung anhält

Zusammenfassung und Ausblick bei ADHS-Hunden

Wir dürfen wohl davon ausgehen, dass ADHS bei Hunden real ist.. Die Kombination aus strukturiertem Alltag, gezieltem Training und bei Bedarf medikamentöser Unterstützung führt in vielen Fällen zu Verbesserungen.

Deine möglichen nächsten Schritte

  • Beobachten: Führe 1 Woche ein Verhaltenstagebuch
  • Dokumentieren: Videos von auffälligem Verhalten
  • Kontaktieren: Vereinbare einen Termin beim Tierarzt, am Besten bei jemanden, der auf Verhalten spezialisiert ist
  • Vernetzen: Suche Kontakt zu anderen Betroffenen
  • Starten: Beginne mit einfachen Struktur-Übungen oder einer passenden Beschäftigung, denn: Dein Hund ist mehr als ADHS. Schaffe also für euch beide schöne Momente.

Eine Übung zum Testen für dich und deinen vielleicht ADHS-Hund

Eine Übung, die gut für die Konzentration und Ruhe ist, mache ich inzwischen wieder vermehrt mit Yuno: Das langsame Übersteigen einer Cavaletti-Stange oder wahlweise Besenstiel etc. Dabei soll dein Hund Pfote für Pfote langsam und bewusst über die Stange steigen. Lasst euch Zeit, lasse ihn nach jeder Pfote eine kurze Pause machen. Wiederhole das Ganze 3x.

Eine Übung, die ich gerne zwischen meine eigentlichen Trainings-Übungen setze ich das langsame Füttern. Dabei darf dein Hund sitzen, stehen oder liegen und du näherst deine Hand mit einem Leckerli. Bewegt sich dein Hund zu deiner Hund hin, geht deine Hand wieder zurück. Dein Hund soll lernen, abzuwarten, deine Hand nur zu beobachten und sich zurück zu nehmen bis das Leckerli bei ihm angekommen ist. Wie sage ich immer im Training? Der Keks kommt zum Hund, nicht der Hund zum Keks 😉

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine tierärztliche Diagnose oder Behandlung. Bei Verdacht auf ADHS sollten Sie immer einen qualifizierten Tierarzt oder Verhaltenstherapeuten konsultieren. Beginnen Sie niemals eine medikamentöse Behandlung ohne tierärztliche Anweisung.


Quellen: Basiert auf aktueller Forschung der Universitäten Helsinki, Budapest und führenden veterinärmedizinischen Instituten (2021-2025).

Canine hyperactivity, impulsivity, and inattention share similar demographic risk factors and behavioural comorbidities with human ADHD

New Advances in Attention-Deficit/Hyperactivity Disorder-like Dogs

Overview of animal models of attention deficit hyperactivity disorder (ADHD)